Zinseszinsformel umstellen: Laufzeit, Zinssatz und Anfangskapital berechnen
Die Grundformel K_n = K_0 · q^n enthält vier Größen. Sind drei bekannt, lässt sich die vierte durch Umstellen berechnen; der Rechner zeigt das Ergebnis mit eingesetzten Zahlen. Darunter stehen die Umstellungen der Sparplanformel nach Rate und Laufzeit, die Varianten für unterjährige Verzinsung und Übungsaufgaben mit Lösungsweg.
Die Grundformel und ihre vier Größen
Die Zinseszinsformel verbindet vier Größen. Sind drei davon bekannt, lässt sich die vierte durch Umstellen berechnen. Jede Umstellung macht eine Rechenoperation rückgängig: Die Division hebt die Multiplikation mit K_0 auf, die Wurzel das Potenzieren mit n, der Logarithmus holt n aus dem Exponenten.
K_n = K_0 · q^n mit q = 1 + p/100
- K_0
- Anfangskapital, auch Barwert: der Betrag, der heute angelegt wird.
- K_n
- Endkapital nach n Jahren, inklusive aller Zinsen und Zinseszinsen.
- p
- Zinssatz in Prozent pro Jahr. In der Formel steht er als Zinsfaktor q: Aus 4 % wird q = 1,04.
- n
- Laufzeit in Jahren, genauer: Zahl der Zinsperioden. Bei unterjähriger Gutschrift ändert sich die Periode.
| Gesucht | Formel | Rechenoperation |
|---|---|---|
| Endkapital K_n | K_n = K_0 · q^n | Aufzinsen |
| Anfangskapital K_0 | K_0 = K_n / q^n | Abzinsen |
| Zinssatz p | p = 100 · ((K_n / K_0)^(1/n) − 1) | n-te Wurzel |
| Laufzeit n | n = ln(K_n / K_0) / ln q | Logarithmus |
Laufzeit mit dem Logarithmus berechnen
Die Laufzeit steht in der Formel im Exponenten. Um sie herunterzuholen, wird auf beiden Seiten der Logarithmus genommen; nach dem Logarithmengesetz ln(q^n) = n · ln q wird aus der Potenz ein Produkt. Welcher Logarithmus verwendet wird, ist egal, solange Zähler und Nenner denselben benutzen: ln, lg oder log zur Basis q führen zum gleichen Ergebnis.
- K_n = K_0 · q^n durch K_0 teilen: K_n / K_0 = q^n
- Logarithmieren: ln(K_n / K_0) = n · ln q
- Durch ln q teilen: n = ln(K_n / K_0) / ln q
10.000 € → 15.000 € bei 4 %: n = ln 1,5 / ln 1,04 = 0,40547 / 0,03922 = 10,34 Jahre
Das Ergebnis ist selten eine ganze Zahl. Schreibt die Bank Zinsen nur einmal im Jahr gut, ist das Ziel erst nach der nächsten vollen Gutschrift erreicht, im Beispiel nach 11 Jahren: Nach 10 Jahren stehen 14.802,44 € auf dem Konto. Die Nachkommastellen zeigen, wie weit die letzte Periode schon fortgeschritten wäre, wenn das Kapital gleichmäßig weiterwüchse.
Für die Verdopplung ist K_n / K_0 = 2, also n = ln 2 / ln q. Weil ln 2 ≈ 0,693 und ln q bei kleinen Zinssätzen ungefähr p/100 ist, ergibt sich n ≈ 69,3 / p. Die bekannte 72er-Regel rundet auf 72, weil diese Zahl bei üblichen Zinssätzen von 4 bis 10 % genauer trifft und sich durch viele Zahlen glatt teilen lässt: Bei 6 % ergeben beide Wege rund 12 Jahre (exakt 11,90).
Zinssatz über die n-te Wurzel
Ist der Zinssatz gesucht, steht die Unbekannte in der Basis der Potenz. Hier hilft die n-te Wurzel, die das Potenzieren rückgängig macht. Im Taschenrechner wird sie als Potenz mit dem Exponenten 1/n eingegeben, weil die Wurzeltaste meist nur die Quadratwurzel kennt; in Excel lautet die Eingabe =(7000/5000)^(1/8)-1.
- Durch K_0 teilen: K_n / K_0 = q^n
- n-te Wurzel ziehen: q = (K_n / K_0)^(1/n)
- In Prozent umrechnen: p = 100 · (q − 1)
5.000 € → 7.000 € in 8 Jahren: 1,4^(1/8) = 1,04296 → p = 4,30 %
Ein häufiger Fehler ist, den Gesamtzuwachs durch die Jahre zu teilen: 40 % in 8 Jahren ergäben so 5 % pro Jahr. Das wäre einfache Verzinsung. Mit Zinseszins genügen 4,30 %, weil die Zinsen jedes Jahr auf einer größeren Basis berechnet werden. Dieselbe Formel liefert die durchschnittliche Jahresrendite einer Geldanlage aus Anfangs- und Endwert, wie sie beim Berechnen der Depot-Rendite gebraucht wird.
Anfangskapital durch Abzinsen
Das Anfangskapital zu einem bekannten Endwert heißt Barwert. Statt mit q^n zu multiplizieren, wird durch q^n geteilt: Der Betrag wird von der Zukunft auf heute abgezinst. Der Kehrwert 1/q^n heißt Abzinsungsfaktor. Er zeigt, wie viel ein Euro, der in n Jahren fällig ist, heute wert ist.
K_0 = K_n / q^n 20.000 € in 12 Jahren bei 3 %: 20.000 / 1,03^12 = 20.000 / 1,42576 = 14.027,60 €
Der Barwert sinkt umso stärker, je höher der Zins und je länger die Zeit. Bei 6 % statt 3 % müssten für dieselben 20.000 € in 12 Jahren nur 9.939,39 € angelegt werden. Banken und Versicherer nutzen genau diese Rechnung, um Zahlungen zu verschiedenen Zeitpunkten vergleichbar zu machen, etwa beim Vergleich einer Einmalzahlung mit einer späteren Auszahlung. Mit der Inflationsrate statt des Zinssatzes zeigt dieselbe Formel, was ein künftiger Betrag in heutiger Kaufkraft wert ist.
Sparplanformel nach Laufzeit umstellen
Bei regelmäßigen Einzahlungen gilt die Rentenendwertformel. Für Zahlungen am Ende jeder Periode (nachschüssig) lautet sie E = R · (q^N − 1) / i, für Zahlungen am Anfang (vorschüssig) kommt der Faktor q hinzu. Dabei ist R die Rate, i der Periodenzins als Dezimalzahl, q = 1 + i und N die Zahl der Raten. Bei monatlichen Raten müssen i und N monatlich sein: i = Jahreszins / 12, N = Jahre · 12.
- Mit i multiplizieren und durch R teilen: E · i / R = q^N − 1
- 1 addieren: E · i / R + 1 = q^N
- Logarithmieren und durch ln q teilen: N = ln(E · i / R + 1) / ln q
300 € pro Monat, 5 % nominal, Ziel 100.000 €: i = 0,05/12; N = ln(100.000 · 0,0041667 / 300 + 1) / ln 1,0041667 = 209,4 Monate = 17,5 Jahre
Mit Startkapital K_0 kommt dessen Zinseszins hinzu: E = K_0 · q^N + R · (q^N − 1) / i. Nach q^N aufgelöst ergibt sich q^N = (E · i + R) / (K_0 · i + R) und damit N = ln((E · i + R) / (K_0 · i + R)) / ln q. Mit 20.000 € Startkapital verkürzt sich das Beispiel auf 150,5 Monate, also 12,5 Jahre.
Sparrate aus dem Zielbetrag berechnen
Die Rate steht in der Sparplanformel als Faktor und lässt sich mit einem Schritt freistellen: durch den Faktor (q^N − 1) / i teilen. Bei vorschüssiger Zahlung wird zusätzlich durch q geteilt, weil jede Rate eine Periode länger verzinst wird.
nachschüssig: R = E · i / (q^N − 1) vorschüssig: R = E · i / ((q^N − 1) · q)
| Ziel | Rechnung | Rate |
|---|---|---|
| 50.000 € in 15 Jahren, 5 %, jährlich am Jahresende | 50.000 · 0,05 / (1,05^15 − 1) | 2.317,11 € |
| 100.000 € in 20 Jahren, 6 % nominal, monatlich am Monatsende | 100.000 · 0,005 / (1,005^240 − 1) | 216,43 € |
| dasselbe am Monatsanfang | 216,43 / 1,005 | 215,35 € |
| 80.000 € in 10 Jahren, 6 %, mit 10.000 € Startkapital | (80.000 − 10.000 · 1,005^120) · 0,005 / (1,005^120 − 1) | 377,14 € |
Mit Startkapital wird zuerst dessen Endwert vom Ziel abgezogen; nur die Lücke muss über Raten gefüllt werden. Ist das Startkapital allein schon groß genug, wird die Rate negativ: Das Ziel ist ohne weitere Einzahlung erreicht.
Der Zinssatz eines Sparplans lässt sich nicht geschlossen berechnen, weil die Gleichung ein Polynom N-ten Grades in q ist. Gelöst wird sie schrittweise: einen Zinssatz einsetzen, Endwert berechnen, je nach Abweichung den Zins erhöhen oder senken und den Bereich halbieren. Nach etwa 20 Schritten stimmt das Ergebnis auf vier Nachkommastellen. Beispiel: 150 € im Monat über 20 Jahre ergeben 70.000 € bei einem Monatszins von 0,507 %, also rund 6,08 % nominal oder 6,26 % effektiv.
Unterjährige Verzinsung in den Formeln
Werden Zinsen m-mal im Jahr gutgeschrieben, ändern sich Zinsfaktor und Exponent: Der Periodenzins ist p/m, die Zahl der Perioden m · n. Das gilt für alle umgestellten Formeln gleichermaßen.
| Größe | jährlich | m Gutschriften pro Jahr |
|---|---|---|
| Zinsfaktor | q = 1 + p/100 | q = 1 + p/(100 · m) |
| Exponent | n | m · n |
| Laufzeit | n = ln(K_n / K_0) / ln q | n = ln(K_n / K_0) / (m · ln q) |
| Zinssatz | p = 100 · ((K_n / K_0)^(1/n) − 1) | p = 100 · m · ((K_n / K_0)^(1/(m·n)) − 1) |
| Anfangskapital | K_0 = K_n / q^n | K_0 = K_n / q^(m·n) |
Beispiel: 5.000 € zu 5 % nominal, monatliche Gutschrift, 10 Jahre: 5.000 · (1 + 0,05/12)^120 = 8.235,05 €, bei jährlicher Gutschrift 8.144,47 €. Der Grenzfall unendlich vieler Gutschriften heißt stetige Verzinsung: K_n = K_0 · e^(r · n) mit r als Dezimalzahl. Umgestellt gilt n = ln(K_n / K_0) / r und r = ln(K_n / K_0) / n. Banken rechnen in der Praxis immer mit festen Perioden; die stetige Form ist in Mathematik- und Wirtschaftsunterricht verbreitet, weil sie sich einfacher umstellen lässt.
Umgestellte Formeln in Excel und Google Sheets
Tabellenkalkulationen haben für jede gesuchte Größe eine eigene Funktion. Einzahlungen werden dabei negativ, Auszahlungen positiv eingegeben; das letzte Argument F ist 0 für Zahlungen am Periodenende und 1 für den Periodenanfang.
| Gesucht | Excel deutsch | Excel englisch, Sheets | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Endkapital | ZW | FV | =ZW(0,04;10;0;-10000) → 14.802,44 € |
| Anfangskapital | BW | PV | =BW(0,03;12;0;20000) → −14.027,60 € |
| Laufzeit | ZZR | NPER | =ZZR(0,04;0;-10000;15000) → 10,34 |
| Zinssatz | ZINS | RATE | =ZINS(8;0;-5000;7000) → 4,30 % |
| Rate | RMZ | PMT | =RMZ(0,005;240;0;100000) → −216,43 € |
Übungsaufgaben mit Lösungsweg
Wie viele Jahre dauert es, bis 2.500 € bei 2,5 % jährlicher Verzinsung auf 3.000 € angewachsen sind?
n = ln(3.000 / 2.500) / ln 1,025 = ln 1,2 / ln 1,025 = 7,38
Bei jährlicher Gutschrift sind 8 volle Jahre nötig: Nach 7 Jahren stehen 2.971,71 € auf dem Konto, nach 8 Jahren 3.046,01 €.
Welcher Jahreszins verdreifacht ein Kapital in 20 Jahren?
p = 100 · (3^(1/20) − 1) = 100 · (1,05647 − 1) = 5,65 %
Das Anfangskapital kürzt sich heraus; für jedes Kapital gilt derselbe Zinssatz.
Wie viel muss heute angelegt werden, damit in 5 Jahren bei 3,5 % genau 10.000 € vorhanden sind?
K_0 = 10.000 / 1,035^5 = 10.000 / 1,18769 = 8.419,73 €
Probe: 8.419,73 € · 1,035^5 = 10.000,00 €.
Nach wie vielen Jahren verdoppeln sich 1.000 € bei 6 % Nominalzins und monatlicher Gutschrift?
Monatszins 0,5 %, also q = 1,005 und 12 Gutschriften pro Jahr.
n = ln 2 / (12 · ln 1,005) = 11,58 Jahre, also nach 139 Monaten. Bei jährlicher Gutschrift wären es 11,90 Jahre.
Welche jährliche Rate, jeweils zu Jahresbeginn eingezahlt, ergibt bei 4 % in 10 Jahren 20.000 €?
Vorschüssige Sparplanformel nach R umgestellt: R = E · i / ((q^N − 1) · q)
R = 20.000 · 0,04 / ((1,04^10 − 1) · 1,04) = 1.601,75 € pro Jahr.
Bei welchem Jahreszins verdoppelt sich ein Kapital in genau 9 Jahren?
p = 100 · (2^(1/9) − 1) = 100 · (1,08006 − 1) = 8,01 %
Die 72er-Regel liefert 72 / 9 = 8 % und liegt damit sehr nah am exakten Wert.
Welcher Betrag muss heute angelegt werden, damit bei 4 % Nominalzins und monatlicher Gutschrift in 15 Jahren 30.000 € vorhanden sind?
Periodenzins 4 % / 12 = 0,3333 %, Zahl der Perioden 15 · 12 = 180.
K_0 = 30.000 / 1,0033333^180 = 30.000 / 1,82030 = 16.480,79 €.
Nach wie vielen Monaten erreicht ein Sparplan mit 300 € am Monatsende bei 5 % Nominalzins 100.000 €?
i = 0,05 / 12 = 0,0041667; N = ln(100.000 · 0,0041667 / 300 + 1) / ln 1,0041667
N = ln 2,3889 / 0,0041580 = 209,4. Das Ziel ist mit der 210. Rate erreicht, nach 17 Jahren und 6 Monaten.